
Seher und Medium: Lehrer Cisse, 20 Jahre Erfahrung, ein sicheres Medium.
Kein Problem ohne Lösung – unkomplizierte Zahlungsart – Löst alle Ihre Probleme:
Gegen die Feindem Arbeit, Geld, Liebe zwischen Mann und Frau, Wiederkehr des
Geliebt – Werdens, familiäre Schwierigkeiten, Anziehung von Kunden für den Verkäufer, physische und moralische Komplexe, gegen Vodoo – Zauber, Angst, Prüfungen, Bewerbungen, etc. …
Seriös, schnell, mächtig. 100 Prozent schneller Erfolg etc .
Solche und ähnliche Zettel flattern tagtäglich in meinen Briefkasten. Das bringt mich auf das Thema „Mein Block“, auch bekannt als „My Hood“ aka meine Nachbarschaft. Bei der horrenden Miete wird manch einer vielleicht erwarten, dass die Wohnlage entsprechend luxuriös ausfällt. Oh nein, ganz und gar nicht! Mein Stadtviertel (frz. Cartier) nennt sich St. Nicolas und liegt äußerst zentral wie man zugeben muss. Ich habe es inzwischen auch schon ein wenig lieb gewonnen – trotz des Zustands. Zu erwähnen sind an dieser Stelle, Leute, die um acht Uhr abends schon in Hauseingängen liegen und ein Nickerchen halten, viele alte Männer, die in entsprechenden Säuferkneipen zu jeder x – beliebigen Uhrzeit herumhängen und einem „Mademoiselle“ hinterher rufen ansonsten aber harmlos sind und last but not least ziemlich kaputte junger Männer, die an der nächsten Straßenecke nach Feuer fragen, um ihre Peace – Brocken zu verkleinern, dies aber aufgrund ihres Zustands nicht im geringsten hinbekommen. Willkommen in meiner Neighborhood!
Der Zustand des Hauses, in dem ich wohne, ist nebenbei bemerkt und wie schon angedeutet auch nicht der schmuckeste. Mal abgesehen davon, dass es Mode zu sein scheint, die Hausflure einfach nicht zu verputzen, selbst wenn irgendwann Füllungen und Putz aus der Wand kommen, ist es wirklich ein wenig heruntergekommen. Amüsanterweise hat man jetzt urplötzlich eines der quadratischen Löcher in der Hauswand mit einem Holzpanel zugehängt, an dem vollkommen überraschend Bilder aus der Umgebung Bordeaux hängen. Es wirkt ein wenig fehl am Platz, aber beweißt immerhin den guten Willen von irgendeinem der Besitzer. Einer der selbigen hat mir auch endlich die Lampe gekauft und in die Decke geschraubt, sowie meine IKEA – 0815 – Lampe angebracht. Ich werde das Licht zwar ohnehin nicht benutzen, da ich das gedämpfte Licht bevorzuge, aber es hebt die Ästhetik des Raumes… wenn es eine gäbe. Die siffig gelben Wände machen eine stilvolle Einrichtung schwieriger. Ich habe mich nun immerhin gegen einen Raumteiler entschieden, da er den Raum unnötig verkleinern würde. Die wichtigste Neuerung der Woche ist ein Sofa, dass Fabian und ich mal wieder im Schweiße unseres Angesichts durch halb Bordeaux geschleppt haben, na ja, war nicht ganz so weit entfernt wie IKEA. Das Sofa, dass ich gebraucht sehr preiswert erstanden habe, ist sehr heruntergekommen, aber man kann noch was draus machen, wenn man einen Überwurf und Kissen bei IKEA kauft. Nun fehlt nur noch ein kleiner Tisch, den ich vermutlich von Rapha und Fabian haben kann (die wohnen zusammen und haben sich einen neuen Tisch gekauft), natürlich Marke IKEA und vielleicht noch eine Art von kleinem Schrank, wo man Sachen verstauen kann. Es wird sich schon irgendwie alles zusammenfügen… Meine Unterarme prädestinieren mich jedenfalls mittlerweile dank der zahlreichen Möbeltransporte zu einer Karriere als Schlagzeugerin einer Hardcore – Band, ganz sicher!
Mit dieser Beschäftigung täusche ich allerdings nicht darüber hinweg, dass wir nächste Woche mit einer Klausur oder einem Test im hammerharten (aber ganz bestimmt nicht herzlichen) Versions – Kurs (Deutsch – Französisch Übersetzung) geknechtet werden. Das wird der Untergang! Heute mussten wir dort ja auch eine Übersetzung abgeben, die nur benotet wird, wenn sich kein einziger Fehler darin befindet, was meiner Überzeugung nach niemand schaffen wird, nicht mal die Franzosen. Bitter! Und natürlich hatte Madame La Zitrone auch noch die glorreiche Idee, „les germanophones“ könnten ja dann mal anfangen, den für heute vorzubereitenden Text zu übersetzen und nahm prompt die Reihe dran, in der Sarah, Fabian und Maria und ich saßen. Durch drei Sätze habe ich mich durchgequält, es hätte schlimmer sein können, aber ruhmreich war es auch nicht. Die Klausur Anfang September wird dem Weltende sehr nahe sein. Zündet schon mal Kerzen an und betet für mich! ;)
Weiterhin zu berichten: Die Relations Internationals, Dreh –und Angelpunkt für uns Erasmienten haben entweder „exceptionellement fermé“ oder kriegen es einfach nicht hin, uns unsere Learning Agreements ohne die wir kein Erasmus – Fördergeld zurückbekommen, zurückzugeben. Das regt auf!
Genau wie die Tatsache, dass das mit dem Internet noch lange dauern kann. Ich hatte mich letztendlich für ein Angebot von NEUF entschieden, 30 Euro im Monat, unbegrenzt nach Europa anrufen, hunderte von Fernsehkanälen und ADSL. Der Haken ist, dass ich erst einen Telefonanschluss bei der France Telecom einrichten muss und dafür braucht man aus vollkommen behämmerten Gründen einen annullierten Cheque, selbstverständlich musste ich dazu erst ein Chequeheft bei meiner Bank bestellen, das ist erst in einer Woche da (frühstens, bei den Franzosen eher später!). Bis das Internet auf unergründlichen Wegen zu mir kommt, dauert es bekanntlich noch einmal drei Wochen. Die gute Nachricht: Bei NEUF hat man keine Mindestvertragslaufzeit und kann jederzeit kündigen.
Einige denken jetzt vielleicht: Das klingt alles so „mitten im Alltag, statt nur dabei“. Erraten! Am Montag, an dem mich ja regelmäßig die Montagsdepression überwältigt, verbrachte ich den Abend immerhin bei Rapha und Fabian und man aß dort Reis mit Champignonsauce und Eis und gestern schaffte ich es mich mit einem Franzosen zu treffen, der mich über Studivz angeschrieben hatte und Philosophie studiert. Wir verbrachten den Abend in einem kleinen sympathischen Pub und ich hatte sprachlich mal wieder einen meiner besten Tage. Franchement! Danach trafen wir zufällig Vinzenz mit anderen Leuten am Victoire, selbiger wollte auf die angebliche Erasmus – Party in einer Bar. Wir schlossen uns spontan an, unterließen es allerdings den Laden zu betreten, es legte ein Electro – DJ auf und es waren zu viele Leute da und es war alles so verdammt kommerziell aufgemacht, in die Phase bin ich gar nicht erst gekommen und verstehe auch nicht, wie sich Leute für so was hergeben können. Partytechnisch sieht es also eher lau aus, traurig das! Par contre: Am Wochenende macht Bettina erneut eine Party in ihrer Playboymansion und außerdem wollten Kristina und ich das Ende der Rugby – WM zelebrieren und ein wenig durch die Pubs ziehen um ein letztes Mal anglophone Menschen zu treffen. Vermutlich werde ich darüber hinaus mal wieder bei IKEA landen, um mein Sofa umzustylen und außerdem eine Menge für die Uni tun. Lebensmittel einkaufen wäre auch mal eine Maßnahme…
Noch eine letzte Nachricht: Möglicherweise werde ich die einwöchigen Ferien zumindest an drei Tagen in Biarritz, Bayonne (Baskenland) und San Sebastian verbringen, aber da ist noch nichts dingfest gemacht.